Garry
Band 2 jetzt Verfügbar!
Garry
Achmed
Pepino
Mandjullah
Gerry. Das ist mein Name. Ein nicht ganz so besonderer Name, ich weiß, doch ich heiße nun mal so. Und eigentlich bin ich etwas Besonderes, denn ich bin ein Seehund. Ein ganz intelligenter Seehund. Ich lebe im Seehundgehege des Zoo Zürichs, zusammen mit Siki, Sally, Odin und Jamay. Wir sind fünf neugierige Seehunde. Jetzt gerade befinden wir uns im Jahre 1948. Der Zweite Weltkrieg lag hinter uns und diesen hatten wir alle glücklicherweise überstanden. Die Schweiz war zum Glück nicht ganz so schlimm betroffen gewesen. Eines fragt ihr euch sicher. Was mache ich denn so als Seehund, dass ich so viel von dem Geschehen um mich herum mitbekomme? Ihr müsst wissen, es gibt nicht sehr viel zu tun als Seehund, als die Leute um mich herum zu beobachten. Und dabei höre ich ihnen aufrichtig zu. Wir Tiere können die Menschen und Besucher nämlich verstehen. Eine sehr besondere und einzigartige Gabe. Da staunt ihr, habe ich recht? Aber doch wieder zurück zu dem Geschehen. Fritz Chraus, unser Tierpfleger, kam gerade mit einem vollen Kessel Fisch in unser Gehege. Diesen roch ich schon von weitem. „Ruhig, Odin. Du bekommst ja gleich was zu essen“, sagte Fritz. Odin zog den Kopf zurück, was eine entschuldigende Geste sein sollte. Fritz bückte sich zu ihm herunter und kraulte seinen Kopf. „Hier hast du den ersten Fisch“, sagte er zu Odin und gab ihn ihm. Ich robbte näher zu Fritz hin. Auch mir streckte er einen Fisch hin. Danach stellte er sein Reiseradio auf einen Stein, wo wir nicht hinkamen, hin und schaltete ihn ein. Schwungvolle Jazzmusik ertönte aus den Lautsprechern. Nun robbten auch Sally, Siki und Jamay zu uns. Die drei Weibchen waren ebenso auf den Fisch aus wie ich. Dann kam ich endlich an die Reihe. „Der hier ist für dich, Garry“, sagte Fritz und warf einen Fisch zu mir. Dann war der Kessel nach ein paar Fischen leer. „Ich komme morgen wieder“, sagte Fritz. Ihr müsst wissen, dass das die Abendfütterung war. Fritz nahm sein Taschenradio und verschwand. „Schon ein freundlicher Kerl, dieser Fritz“, sagte Odin. „Und wie du recht hast“, sagte Jamay. Sie lag auf der Seite und genoss das letzte Licht an diesem Abend. Von weitem hörten wir ein Brüllen. Keiner von uns wusste, welches Tier diesen Laut machen würde. Wir hatten bisher nur unser Gehege gesehen und sonst nichts Weiteres. Odin legte sich hin, Sally lag rechts von ihm, Siki und Jamay links von ihm. Ich versuchte, mich neben Sally zu legen, doch Odin vertrieb mich. „Hier hat es keinen Platz mehr für dich, Jüngling!“, brummte Odin. Ich verzog mich traurig und legte mich auf einen Stein in der Mitte des Beckens. Ich schaute der Sonne zu, wie sie unterging, und beobachtete, wie sie langsam hinter dem Horizont verschwand. Und plötzlich gelangte ich in eine Phase, in der ich keinen Gedanken oder kein Gefühl mehr hatte. Ich dachte an nichts. Gar nichts. Plötzlich stieg Rauch auf. Er hatte eine dunkelgraue Farbe, ähnlich wie die von meinem Fell. Ich wusste nicht, was geschah, doch dann verschwand mein Körper plötzlich. Als ich wieder an mir heruntersah, entdeckte ich einen menschlichen Körper Was ist das?“, fragte ich mich. Ich war zugleich erstaunt und erschrocken. Ich versuchte aufzustehen, wie die Menschen es um mich herum gemacht hatten. Ich fiel sofort rücklings von dem Stein herunter und klatschte ins Wasser. „Sei ruhig, Garry, ich will schlafen“, blaffte Odin zu mir herüber. Ich hielt mich am Stein fest. Wie schwimmt man als Mensch eigentlich? Ich versuchte es erst wie ein Seehund. Doch die Hinterflossen eines Menschen waren viel zu kurz dafür. Dafür waren die Vorderflossen um einiges länger. Ich machte kreisende Bewegungen und konnte mich einigermaßen über Wasser halten. Doch was mir auffiel: Ich hatte keine Kleidung an. Und ohne Kleidung herumzulaufen, gehört sich nicht. Zum Glück wusste ich, wo die Tierpfleger ihre Ersatzkleidung aufbewahrten. Ich schwamm zum Rand des Beckens. Ich ging so leise, wie ich konnte, aus dem Gehege heraus und schlich langsam und vorsichtig los. Ich musste noch immer schauen, dass mein Körper nicht umfiel. Plötzlich hörte ich wieder das Brüllen. Ich schlich weiter, bis ich an das kleine, unscheinbare Häuschen unweit des Weges kam. Da kam schon das nächste Problem. Wie kam ich rein? Drei Wände des Hauses waren von dicken Mauern umschlossen. In zwei von diesen Mauern waren Löcher. Ich versuchte, durch diese Löcher in das Haus zu kommen, doch als ich meine Hand nach dem Rand ausstreckte, griff ich nach etwas Festem Ich konnte meine ganze Hand an dieses durchsichtige Ding legen. So würde ich nicht reinkommen. Die letzte Wand hatte auch ein Loch, doch es wurde versperrt von einem langen Brett. Ein silbernes, längliches Teil hing an der Tür. Ich zog daran, doch es ging nicht auf. Mit Stoßen hatte ich es auch probiert, doch es bewegte sich keinen Zentimeter. Dann zog ich das Teil nach oben, doch es passierte wieder nichts. Ich wollte schon fast aufgeben, stützte meine Hand auf dem Teil ab, da ging die Tür schon auf. „Man muss also nach unten drücken“, sagte ich zu mir selbst. Ich entdeckte einen Korb, in dem Kleidung lag. Ich schnappte mir eine Hose, ein weißes Oberteil und einen Hosenträger, so wie die meisten Männer es hatten. Auch fand ich ein braunes Jackett und einen schwarzen Fedora-Hut, wie die Besucher ihn nannten. Danach machte ich mich auf den Weg. Besuchte den größten Teil des Zoos. Sah viele Tiere wie ein Tier mit einem großen Gebiss und einem gelben Fell, ein Tier mit einem langen Hals und zwei kleinen Hörnern und ein Tier mit einem weißen Fell mit schwarzen Streifen. Doch dann überfiel mich die Müdigkeit. Ich setzte mich auf eine Bank, die dieselbe Farbe hatte wie die vor dem Seehundgehege, und schlief ein. Geweckt wurde ich von einem Pfleger. „Hier haben sie Ihren Hut wieder, guter Herr. Er wurde von dem Winde weggetragen“, sagte der Mann. „Vielen Dank“, erwiderte ich und setzte den Hut wieder auf. Als ich mich umsah, entdeckte ich schon viele Besucher. Einige Frauen in weißen Röcken liefen an mir vorbei, ein älterer Herr mit einem Gehstock und ein junger Mann mit einem ähnlichen Hut wie meinem Ich hatte plötzlich unglaublich viel Hunger. Ich roch einen leckeren, salzigen Duft. Ich folgte dem Duft und kam vor einem Laden zum Stehen. Ich stand an und als die Dame hinter dem Tresen mich fragte, was ich denn gerne möchte, sagte ich neugierig: „Das, was hier so wunderbar duftet.“ Sie schaute mich kurz an und sagte: „Sie meinen die Salzkartoffeln?“, fragte mich die Dame. Ich nickte und sie sagte: „Das macht dann 4 Franken.“ Ich sagte: „Ich habe aber kein Geld.“ Die Dame sah mich böse an und sagte: „Dann gibt es für sie auch keine Kartoffeln, verschwinden sie!“ Niedergeschlagen verschwand ich und setzte mich an einen Tisch. Ein mittelalterlicher Herr saß dort. Er trug einen Schal, hatte einen schwarzen Vollbart und dunklere Haut. Ich setze mich. Mein Magen knurrte. Der Herr sah mich freundlich an und fragte: „Wollen Sie den Rest meiner Kartoffeln? Ich bin sowieso satt.“ Ich sah ihn dankbar an. „Das würden sie für mich tun?“, fragte ich ihn. „Aber sicher doch“, antwortete er. Ich nahm die Kartoffelschale dankbar zu mir rüber und verzerrte die übrigen Kartoffeln. Sie schmeckten unglaublich. Der Mann sah mir die ganze Zeit zu und fragte mich am Ende: „Und, haben sie geschmeckt?“ Ich schluckte und antwortete: „Vorzüglich, vielen Dank noch einmal.“ Der Mann lächelte. „Ist doch nicht der Rede wert. „Wie heißen Sie?“, fragte mich der Mann. „Garry“, antwortete ich freundlich. „Schön, Sie kennenzulernen, Garry. „Mein Name ist Herr Bertens“, sagte der Mann freundlich. Ich schüttelte ihm die Hand und er fragte mich: „Was arbeiten Sie eigentlich, Garry?“ Ich überlegte, ob ich etwas schummeln sollte, doch ich blieb bei der Wahrheit. „Ich bin momentan arbeitslos. Ich habe mein letztes Geld ausgegeben für den Zooeintritt. „Der Zoo fühlt sich an wie mein Zuhause“, sagte ich zu ihm. „Haben sie denn eine Wohnung?“, fragte Herr Bertens. Ich schüttelte den Kopf. „Nein, bisher noch nicht.“ Herr Bertens stand auf und sagte: „Kommen Sie doch einmal mit.“ Er brachte mich zu einer wunderschönen Dame. „Das ist Mandjullah“, sagte Herr Bertens. Die Frau hatte einen dunkelblauen Rock an und war eher jünger. Sie hatte ein asiatisches Aussehen und lächelte mich fröhlich an. „Guten Tag. Sie sind?“, fragte sie mich. „Garry“, sagte ich mit offenem Mund. „Wir müssen etwas sagen, Garry. Wir fühlen uns unglaublich zu den Tieren verbunden.“ Herr Bertens blinzelte und lächelte mir zu. „Das heißt, ihr seid auch Tiere?“, fragte ich erfreut. „Ja, wir sind auch Tiere. Doch wir nennen uns liebevoll ZooStars. „Die Stars des Zoos“, lächelte Mandjullah. „Es gibt noch mehr wie mich „Was seid ihr für Tiere?“, fragte ich aufgeregt. „Ich bin eine Elefantin und komme aus Indien“, sagte Mandjullah. „Und ich bin ein Dromedar und komme aus Arabien „Eigentlich heiße ich Achmed, nicht Herr Bertens“, sagte der Mann. „Ich bin Garry und ein Seehund“, sagte ich fröhlich.
Wir liefen kurz nach der Vorstellung im Zoo herum. „Und habt ihr außer mir noch einige andere von uns gefunden?“, fragte ich sie neugierig. „Bisher noch nicht, doch ich wette, es gibt noch mehr von uns“, sagte Mandjullah. Achmed grinste: „Ich glaube auch. Und heute, da wir ja schon dich gefunden haben, machen wir uns doch gleich mal auf die Suche. Es wird ganz einfach. Wir müssen nur den Tieren zuhören. Wir sogenannten ZooStars können uns verständigen, ohne dass wir von derselben Tierart sind. Auch können wir die Tiere, die auch Wandler sind, verstehen.“ Wir liefen herunter und kamen zu den Pinguinen. Es wären Humboldt-Pinguine, sagte Achmed. Diese Pinguine waren sehr klein. Kleiner als ein Seehund. Plötzlich hörten wir etwas. „Ach, ist das ein langweiliges Leben. Die ganze Zeit in diesem kleinen Ding drin sein macht mich krank. Ich will was sehen!“ Wir entdeckten einen kleinen Pinguin. Achmed winkte ichm unauffällig. Er sah das Winken und kam neugierig her. „Triff mich bei dem grossen Felsen. Dort sind wir weniger gestört.“ Der Pinguin schaute ungläubig drein und befolgte den Befehl. Der Felsen war ein wenig abgelegen und es waren keine Leute dort. Noch nicht. Der Pinguin lief zu dem Felsen und Achmed hüpfte ihn heraus. „Dankedanke. Vielen Dank. „Ich bin freiiii!“, rief der Pinguin und wollte davonwatscheln. Achmed packte ich ihn unter den Vorderflossen und stopfte ihn in einen Sack. „Was soll das denn? „Ich will hier raus!“, sagte der Pinguin wütend. „Ich bringe dich an einen sicheren Ort. „Vertraue mir“, flüsterte Achmed. „Du kannnst mich verstehen“; staunte der Pinguin. „Wir alle können dich verstehen“, antwortete Mandjullah. „Vertraue ihnen, sie tun dir nichts“, sagte nun auch ich. Der Pinguin schaute uns neugierig an. „Wer seid ihr?“ Achmed sagte nur: „Wie gesagt sagen wir dir das später. Sir sehen uns dann.“ Ahcmed zog den Sack zu und wir liefen zu der Hütte der ersatzkleidung der Pfleger. Wir nahmen ein weisses Hemd, Hosenträger, eine graue Hose, braune Arbeiterstiefel und eine Schiebermütze. Danach öffnete Achmed den Sack. Er stellte den Pinguin in der Mitte des Häusschens auf den Boden und sagte: „Und nun denke an nichts. An gar nichts, setz dich nur auf den Boden und schließe die Augen“, sagte Mandjullah nun. Der Pinguin befolgte den Befehl und setzte sich auf den Boden. Danach schloss er die Augen und um ihn herum begann ein grauer Rauch aufzusteigen. Seine Augen leuchteten grau. Danach stand plötzlich ein Mann vor uns. „Wow“, staunte der Pinguin. „Hey, willkommen in der Welt der Menschen. „Wie ist dein Name?“, fragte Achmed. „Man nennt mich Pepino“, sagte der Mann. „Hier, zieh dir das über“, sagte Mandjullah und war ihm die Hose und das Hemd zu. Achmed half ihm in die Kleider. Kurz darauf war er angezogen und Mandjullah und Achmed leierten ihren Text herunter, den sie auch mir schon vorgesprochen hatten.